Grete Fluss

Grete Fluss im Kölner Karneval

Auftritt von Grete Fluss als "Negerin"
(im Willowitsch-Theater im Jahre 1927)

 

 

Zu ihrer Zeit war sie ein Star: Grete Fluss (1892-1964) - oder "et Flusse Griet", wie die Kölner sie nannten - war über die Grenzen des Rheinlandes hinaus als Humoristin und Revuesängerin bekannt. Heute in Vergessenheit geraten, galt sie vor dem Zweiten Weltkrieg neben Willi Ostermann als die populärste Repräsentantin des Kölner Karnevals. Während ihrer mehr als 50-jährigen Bühnenkarriere verlieh sie insbesondere den Kölner Karnevalsrevuen ihr unverwechselbares Gepräge.

Grete Fluss trat bereits in jungen jahren mit ihren beiden Geschwistern auf Volksfesten auf. Hier lernte sie ihrer Schlagfertigkeit auch ihr ausgeprägtes Improvisationstalent. Mit ihren Vorträgen und Gesangsauftritten als „Küchenfee“, „Schutzweib“ oder „Blitzmädel“ hatte sich Grete Fluss schon ab 1910 ihren festen Platz im bis dahin männerdominierten Kölner Karneval erkämpft. Sie überzeugte aber nach wie vor auch als Vertreterin der leichten Unterhaltung, der Operette und des Schlagers. Nach dem Ersten Weltkrieg boten ihr die „kölschen Revuen“ eine ideale Bühne, um ihre schauspielerischen, tänzerischen und gesanglichen Fähigkeiten zu kombinieren und in unverwechselbarer Weise auszuspielen. Bereits 1913 nach Berliner und Pariser Vorbild ins Leben gerufen, avancierten die Revuen in den 1920er Jahren zum Ersatz für die durch die Besatzungsmächte verbotenen traditionellen Karnevalssitzungen. Die zwischen Neujahr und Aschermittwoch zunächst im „Kristallpalast“ in der Severinstraße und ab 1926 im Theater „Groß Köln“ in der Friesenstraße täglich stattfindenden Vorstellungen bildeten eine regionaltypische Mischform von Varieté und Karnevalssitzung, die nicht zuletzt dank Grete Fluss zu Glanzpunkten in der Geschichte des Kölner Karnevals gerieten. Ihren ersten, vielumjubelten Revueauftritt feierte Grete Fluss 1919 als Hauptdarstellerin in „Jan un Griet“ im „Metropol“ in der Kölner Apostelnstraße. 1930 wurde „Die Fastelovendsprinzessin“ uraufgeführt, in der sie die Titelrolle spielte und mit dem von Willi Ostermann komponierten Titel „Och, wat wor dat fröher schön doch in Colonia“, der inoffiziellen Hymne der Stadt Köln, zu begeistern wusste. Zu den Höhepunkten zählte auch ihre parodistische Interpretation des „sterbenden Schwans“ in der Revue „Dat singende klingende Köln“ aus dem Jahr 1931. Im kollektiven Gedächtnis blieb überdies die Revue "Rund öm de Freud" von 1949 fest verankert, die im Zirkus Williams stattfand und bei der sie die Besucher mit einer Reiteinlage auf einem Elefanten begeisterte. Bis 1956 wirkte sie in insgesamt 30 Revuen mit.

Auch nach 1945 bildete Grete Fluss das Herzstück der Kölner Revuen, die nun im Varietétheater „Tazzelwurm“ stattfanden und durch ihr Zusammenwirken mit dem Komponisten Gerd Jussenhoven eine weitere Blütezeit erlebten. Ihr umjubelter Auftritt als „Mutter Colonia“ im Jahr 1950 anlässlich des ersten Rosenmontagszuges nach dem Zweiten Weltkrieg belegte ihre große Popularität. Wie bei den vom Stellungskrieg zermürbten Soldaten von St. Quentin im Jahr 1915, so gelang es ihr nun auch unter der traumatisierten Bevölkerung ihrer zerstörten Heimatstadt neue Zuversicht zu verbreiten. Anlässlich ihres 65. Geburtstages am 6.1.1957 feierte die Revue „Stell dich jeck“ im Kölner Kaiserhof eine begeisterte Premiere. 50 Jahre nach ihrem ersten Auftritt begann sich Grete Fluss danach schweren Herzens von der Bühne zurückzuziehen. Nachdem sie mehrfach ihren Rücktritt erklärt hatte, kehrte sie im Jahr 1962 letztmalig für ein Gastspiel in der Revue „Do sidder paff“ auf die Bühne zurück. Im Privaten zeichnete sich Grete Fluss durch eine akribische und zielstrebige Vorbereitung ihrer Auftritte sowie zeitlebens durch eine ebenso disziplinierte wie sparsame Lebensführung aus. Als begeisterte Strickerin hatte sie sich darüber hinaus schon in jungen Jahren ein Hobby zugelegt, das zu ihren extrovertierten Auftritten einen bemerkenswerten Kontrast bildete. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie an der Seite ihres Ehemannes und Agenten Ludwig Westkamp (gestorben 1976) in Unkel, wo sie schon seit den 1930er Jahren neben ihrer Kölner Wohnung am Hohenzollernring ein Haus besaß. Hier verstarb sie am 27.7.1964 nach längerer Krankheit. Beigesetzt wurde sie unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und in Anwesenheit zahlreicher Weggefährten auf dem Unkeler Friedhof.

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