Geschichte des Kölner Karnevals

Der romantische Karneval (1823 bis 1844)


 


Der romantische Karneval (1823 bis 1844)


1823 --- Thronbesteigung des Helden Carneval

Gegen Ende des Jahres 1822 fanden sich Männer aus dem Kölner Bildungsbürgertum in der kleinen Weinstube "Im Häuschen" bei der Kirche St. Ursula in Köln ("Ursulahäuschen") zusammen in der Absicht, das alte Volksfest Karneval wiederzubeleben und zugleich zu erneuern. Das Fest droht in diesen Jahren an Rohheit und Zügellosigkeit zugrunde zu gehen. Um dies zu verhindern, soll es in geordnete Bahnen gelenkt werden. 1823 steht der Plan, in gehöriger Distanz zum wilden Treiben des "rohen Pöbels" und zu seinen "ekelhaften Masken" am Fastnachtsmontag des Jahres 1823 einen Maskenzug zu organisieren. Zur Vorbereitung verbleiben schließlich nur 14 Tage, an deren Ende ein kurzer, straff organisierter Zug steht. Dies ist die Geburtsstunde des modernen und bis heute gefeierten organisierten Kölner Karnevals, dessen Konzept sich als ausgesprochen erfolgreich erweisen sollte.

Der Maskenzug (erst später heißt er Rosenmontagszug) beginnt mit der Inthronisation des Helden Carneval auf dem Neumarkt, dem größten Platz der Stadt, und bewegt sich mit fünfzehn Gruppen in folgender Reihenfolge durch die Stadt Köln:

1. der Reichsbannerträger,
2. vier Trompeter,
3. Geckenberndchen
4. Fähnrich und Führer,
5. heilige Knechte und Mädchen,
6. Kölnische Funken mit ihrem Kommandanten,
7. Colonia, d.h. die kölnische Jungfrau, mit vier
geharnischten Rittern,
8. Trompetenchor,
9. berittener Kommandant der Leibgarde,
10. berittene Leibgarde “in den mannigfaltigsten Masken-Anzügen”,
11. Musikchor auf Wagen,
12. Minister in vierspännigen Wagen,
13. Oberhofmarschall, Kanzler und Zeremonienmeister im sechsspännigen Wagen,
14. “König Carneval” (Held Carneval) im achtspännigen Triumphwagen von Adjutanten begleitet, zu seinen Füßen der Hofnarr und
15. Führer des Nachzuges.

Programm von 1823

Originalprogramm des Maskenzuges von 1823. Das Programm ist noch spärlich, auch aufgrund der Kürze der Zeit für die Organisation.

 

Der Festzug nimmt Elemente höfischer und kirchlicher Umzüge bzw. Prozessionen auf. Er ist vor allem eine Persiflage auf den Jahrtausende alten feierlichen Herrscherempfang, der “Adventus” genannt wurde. Solche Herrscherempfänge waren auch immer mit großen Volksfesten verbunden. Diese alte Tradition wird nun auf den Karneval übertragen und durch die “Verformung des Zeremoniells” eine ganz neue Festzugsform begründet.

Aus den ersten Jahren nach der Reform des Kölner Karnevals sind uns kaum Namen überliefert, da immer die Figur und nicht der Mensch dahinter im Mittelpunkt stand. Auch traten Prinz, Bauer und Jungfrau nur an den drei Karnevalstagen in Erscheinung.

Das Ursulahäuschen, die Geburtsstunde des Karnevals - Festwagen der Gesellschaft "Alaaf Köllen" aus dem Jahre 1898 -->

Festwagen 1898

König (später Held) Carneval war Emanuel Ciolina Zanoli
Kölnisch Wasser Fabrikant
Casino Gesellschaft
Emanuel Ciolina Zanoli bekleidete die Rolle des Helden bis 1830

Gegen die Bezeichnung “König Carneval” erhebt die Polizei, sobald sie ihr bekannt geworden war, Widerspruch. Um eine befürchtete Majestätsbeleidigung zu vermeiden, muss die Figur bereits nach kurzer Zeit in “Held Carneval” umbenannt werden.

Neben dem Held Carneval tritt bereits im Jahre 1823 die Jungfrau in Erscheinung. Sie wird also in der Anfangszeit mit der Agrippina identifiziert. Sie trägt ein römisches Gewand und als Zeichen der Wehrhaftigkeit der Stadt Köln die goldende Mauerkrone und reitet auf einem weißen Pferd den Zugweg ab. In ihrer linken Hand trägt sie ein Schild mit dem Kölner Wappen und in der rechten einen mit Schlangen umwobenen Stab, der als Sinnbild des Fleißes stand. Überall wo sie erscheint, erschallt der Ruf: "Vivata Colonia Agrippina!".

 

1824 --- Besuch der Prinzessin Venetia beim Helden Carneval

In diesem Jahr wird erheblich aufwändiger gefeiert. Das Comité erfindet um die Figur des Halden Carneval eine ganze Geschichte, mit Hilfe derer die Verbindung des noch jungen organisierten Kölner Karnevals zu dem berühmten alten venezianischen Karneval hergestellt wird:

Venetia, die stolze König des Meeres und Verkörperung des Karnevals des Südens, hat im vorherigen Jahre in ihrer Tafelresidenz vernommen, dass der Held Carneval zu Cöln wieder seinen heiterten Thron bestiegen hat. Ihr edler, biederherziger und allerliebster Gesandte, Graf Geniosottile, akkreditiert am Hofe des Helden weiß durch auf diplomatischen Wege durch seine weisen und jovialen Berichte über den Helden das Herz der Fürstin derart für diesen einzunehmen, dass sie sich entschließt in diesem Jahre höchstselbst an das Hoflager des Helden zu reisen. Unterstützt wird dies durch die Ausführungen des Hofarztes, des Baron Tuccacurore, der die Königin darauf hinweist, dass die vielbesuchten Bäder und Heilquellen des Duffesbach für die Gesundheit des besten Europas sind. Die Nachricht der Anreise der Königin verbreitet sich blitzartig bis hoch zum Rhein und wird stets von großem Jubel begleitet.

Am 06.02.1824 wird das Gerücht endlich bestätigt: In der Kölner Zeitung erscheint ein Artikel über die Anreise der Fürstin Venetia. Am folgenden Tag erscheint ein weiterer Artikel, der die Freunde der Kölner auf geniale Weise weiter steigerte: Die Karnevals-Fürstin soll am Jahrestage der Thronbesteigung des Helden, mithin am 29.02.1824 eintreffen. Endlich war es offiziell. Die Kölner werden aufgefordert, der Königin einen angemessenen Empfang zu bereiten. Bei den Kölnern setzt sich die Idee, dass die Prinzessin Venezia sich mit dem Kölner König Carneval gar verloben würde, in den Köpfen fest. In der Zeitung wird über ihre Reiseroute berichtet und zuletzt glauben nicht wenige Kölner gar tatsächlich an ihre wahrhafte Existenz.

Am 29.02.1984, dem Fastnachtssonntag, um 3 Uhr nachmittags, durchfährt sie das Severinstor. Köln ist reich geschmückt. Überall ziert das Kölner Stadtwappen und dasjenige von Venedig die Straßen. Menschenmassen säumen die Straßen und - obwohl helllichter Tag - kommen die Kölner der Aufforderung nach, ihre Häuser zu erleuchten, um Venetzia den ersehnten würdigen Empfang zu bereiten. 24 Kuriere mit keuchenden Pferden kommen mit bunten Gewändern herbei geritten, auf keuchenden Pferden und verkündeten die nahende Ankunft der Prinzessin Venetia, welche dann um 4 Uhr tatsächlich in einem sechsspännigen geschlossenen Wagen und lautem Donner erscheint. Da ihrem eigenen Wagen die Achse gebrochen ist, sie müde und abgekämpft war von der langen Reise lässt es sich der Held nicht nehmen, ihr über seinen Hofnarren ein Fläschchen Eau de Cologne zur Stärkung zu überbringen.

Am Fastnachtsmontag gehen zunächst zwei Züge auf den Neumarkt zu: der “nordische” Zug mit dem Helden Carneval an der Spitze und der südliche Zug der Prinzessin Venetia. Bei der anschließenden Zeremonie auf dem Neumarkt schlägt der Held den Hanswurst, der als Zeremonienmeister agiert, zum Ritter, die beiden Hoheiten tauschen den venezianischen und kölnischen “Carnevalsorden” und der alte Kölner Bannerrat kredenzt dem “hohen Paare” den Ehrenwein. Danach ziehen beide Maskenzüge vereint durch die Stadt. Das Kölner “Hänneschen” verteilte zusammen mit seinen Adjutanten Bonbons und Blumen an schöne Damen. 14 rote Funken, eine Anspielung auf die Kölner Stadtsoldaten, werden von ihrem Kommandanten Künnigsfeld angeführt.

Der Held fährt in einem mit Blattgold verzierten Delphin. Dieser kostbare Wagen fuhr mehrere Jahre im Zug mit:

 
Wagen Held Carneval 1824

Hier der Wagen der Fürstin Venetia:

Wagen Prinzessin Venetia

Am Abend des gleichen Tages, um 9 Uhr, wird ein Maskenball erfolgen, wo der Held Carneval mit Venetia sich nicht nur dem Volke zeigen, sondern auch den ersten Tanz beginnen.

Der große Saal des Kaufhauses Gürzenich wird zum Saal dieser Veranstaltung gewählt. Dies ist der Beginn des legendären Montagsfestballes der ersten Jahre.

In den Rollen:

Held Carneval Emanuel Ciolina Zanoli
Kölnisch Wasser Fabrikant
Casino Gesellschaft
Emanuel Ciolina Zanoli bekleidete die Rolle des Helden bis 1830

Venetia Simon Oppenheim
Bankier
Er stellte die Venetia mehrere Jahre nach einander dar
Venetia begleitet den Helden, wenn auch in den letzten Jahren unregelmäßig, bis zur Jahrhundertwende.

Eintrittskarte Maskenball im Gürzenich 1824

Eintrittskarte zum ersten Maskenball im Gürzenich 1824


1825 --- Der Sieg der Freude (bzw. "Die Freude des Sieges über das Philistertum" oder "Der Kampf der unbefangenen Fröhlichkeit gegen Stumpfsinn, ängstliche Convenienz und Überklugheit")

Der Held tritt in diesem Jahr nicht in Erscheinung. Der Kölner Bevölkerung sagt man, er statte der Fürstin Venetia einen Gegenbesuch ab und sei nach Italien verreist. Stattdessen kommt der Hanswurst wieder zum Einsatz.

Jungfrau und (erstmals) auch der Bauer nehmen am Zug teil. Namen sind aus den ersten Jahren nicht übermittelt.

In diesem Jahr erinnern im Maskenzug viele historische Figuren - wie der "Haudegen" Jan van Werth, der Maler Rubens und der Astronom Johann Adam Schall von Bell - an die Kölner Erfolge in Krieg, Kunst und Wissenschaft. Große Kölner Familien finden im Zug eine ehrenvolle Darstellung. Der Kölner Bauer erscheint erstmals im Maskenzug und steht für die Wehrhaftigkeit, Stärke und Reichstreue der Stadt Köln; im Programm des Zuges heißt es:

“Der Repräsentant der handfesten Bauerbänke mit den 1288 zu Worringen tapfer vertheidigten Stadtschlüsseln und dem Dreschpflegel."

Karnevals-Zeitung 1825

In diesem Jahr erscheint erstmals eine Karnevalszeitung, die zunächst nur als Spalte in der Kölnischen Zeitung gedruckt werden sollte, sich dann jedoch zu einer eigenen kleinen Zeitung auswuchs. 1830 wird sie verboten werden.

Festheft 1825

Festheft aus dem Jahre 1825

 

 

In diesem Jahr verfasst der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe für die Kölner Karnevalisten sein berühmtes Gedicht "Der Cölner Mummenschanz". Siehe hier: Goethe und der Kölner Karneval


1826 --- Fahrt nach dem Monde

Emanuel Ciolina Zanoli nimmt wieder mit der Venetia an den Festlichkeiten teil.

Bauer und Jungfrau sind nicht im Zug dabei.

Thema des Zuges: An eine Zeitungsmeldung, dass ein Professor auf der Münchener Sternwarte eine Festung auf dem Mond entdeckt habe, knüpft die diesjährige Zugidee an: Der Held Carneval, dem in den Armen der holden Venetia langweilig war, verließ seine herrliche Gondelstadt und machte eine Reise zum Mond, um sich dort nach der entdeckten Festung zu erkundigen. Auf den Mondfluren findet er, was er erhoffte, Tollheit und Narrheit, toll gewordene Romantiker, wahnsinnige Dichter und sonstiges Tollkraut. Mitten unter diesen Tollhäuslern erinnert er sich seinen, nunmehr im Dunkeln liegenden Reiches, und entschließt sich, dieses mit Narren vom Mond zu bevölkern. Die Mondkolonisten langen auf der Erde an und bringen heillose Verwirrung, weil sie alles ändern und verbessern wollen. Sinn: Verhöhnung der Philosophie nach einer Idee des Präsidenten des festordnenden Komitees Heinrich von Wittgenstein. Der Hanswurst lehnt sich auf und wird als Demagoge verbannt. Aus dem Volk wird eine Deputation der Klügsten zum Mond entsandt. An Weiberfastnacht reist sie ab und kehrt am Karnevalssonntag mit der freudigen Nachricht zurück, dass das gegen den lustigen Rath und den Hanswurst erlassen Verbannungsdekret auf der Stelle zurückgenommen sei und beide wieder in ihre vorigen Rechte und Würden eingesetzt seien. Am Rosenmontag war es endlich soweit: Auf dem Neumarkt hat sich das Volk eingefunden, um der Wiedereinsetzung des Lustigen Rates und des Hanswurstes beizuwohnen. Das entsprechende Monddekret liegt auf einer Tribüne in der Mitte des Platzes und wurde feierlich verlesen. Und da erschien er: Der Hanswurst. Nachdem einige Lieder gesungen sind, wird ein herrlicher Triumphzug veranstaltet. Bis dahin war es noch nicht allen klar, wer der Regent auf dem Mond war. Es ward geheim gehalten. Erst am Abend im Gürzenich wird enthüllt, wer dieser Mann im Mond ist. Es ist der Held Carneval, der mit seiner Venetia, welches ihm zu Monde nachgeeilt ist, nach Köln zurückgekehrt war.


1827 --- Lit de Justice. Die Prüfung

Held Karneval 1827

Held Emanuel Ciolina Zanoli

Der Held Carneval bittet die Bürger Kölns um Spenden und sie geben reichlich.

In diesem Jahr werden unter dem Motto “Lit de Justice. Die Prüfung” vermutlich nur öffentliche Spiele und kein eigentlicher Maskenzug veranstaltet.

Die Hintergründe sind unklar.

In diesem Jahr entsteht auch die Karnevalsmütze in Köln: Auf der Generalversammlung am 14.01.1827 macht ausgerechnet der preußische Generalmajor Baron von Czettritz und Neuhauß den Vorschlag, nach dem Motto "Gleiche Brüder, gleiche Kappen!" bei den Versammlungen eine kleine bunte Gesellschaftsmütze zu tragen, was mit frenetischem Beifall auf Zustimmung stößt - die Narrenkappe bzw. die "Fastelovendsdmötz" ist geboren und ziert ab dieser Zeit die Köpfe der Narren.

 


1828 --- Alte und neue Zeit

Held Emanuel Ciolina Zanoli

Die Narren stellen die alte und die neue Zeit dar. Beide Gruppen marschieren getrennt zum Neumarkt, wo der Held zwischen beiden vermittelt. Schließlich mündet dies in einen gemeinsamen Zug durch die Stadt.

Bei dem diesjährigen Maskenball im Kölner Gürzenich fordern zwei Bonner Studenten zum Duell. Das Duell endet für beide tödlich.


1829 --- Der große Narrentag (Allgemeiner Narrenkongress)

Held Emanuel Ciolina Zanoli

Karnevals-Zeitung 1829

Der Karneval wird immer kritischer. In der Karnevals-Zeitung finden sich Beiträge und Bilder mit der Überschrift: "Wie klug sich Thorheit auch versteckt, Der Narr sie dennoch bald entdeckt." Im nächsten Jahr ist die Karnevals-Zeitung verboten.


1830 --- kein Zug: Regierungsverbot

Der Karneval fällt in diesem Jahr aus, da der Einfluss der Regierung auf den Karneval immer stärker wird. Lieder und Reden wurden überwacht, die „Offizielle Karnevals-Zeitung von Köln“ wird wegen möglicher staatsgefährdender Inhalte verboten.

Dagegen formiert sich Protest. Das Karnevalscomité unter der Leitung von Wittgensteins beschließt, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln für die Wiederzulassung der Zeitung zu kämpfen und bis zu einer positiven Entscheidung keine Sitzungen mehr abzuhalten. Am Karnevalsdienstag werden Totenzettel zum diesjährigen Karneval verteilt und demonstrativ ein toter, in Ketten gelegter Hanswurst durch Köln geführt und Totenzettel für ihn verteilt.

Die Obrigkeit gab schließlich nach, allerdings bezogen auf die Karnevals-Zeitung, die weiterhin verboten blieb. Diese blieb verboten.

In der königlichen Direktive vom 30. Juni 1830 lautet es:

"Aus Ihrem Bericht vom 13. März habe ich ersehen, dass die Maskenzüge auf den Straßen zu Köln in der Karnevalszeit auch führerhin, sowohl vor als auch während der französischen Regierung, gestattet gewesen sind. Ich habe auch nichts dagegen, dass sie fernerweit stattfinden, so lange sie sich, als eine harmlose Lustbarkeit, in den Schranken des Anstandes und der guten Sitten halten, und nicht durch Persönlichkeiten verletzen. Sie haben die Polizeibehörde hiernach anzuweisen, damit sie die zweckmäßige Aufsicht führe und Sorge trage, jeden Unfug zu verhüten, der durch eine Ausartung dieses öffentlichen Vergnügens veranlasst werden könnte. Bei der Unterdrückung der erst in neuerer Zeit entstandenen Karnevals-Zeitung, welche zu verstecktem Muthwillen gemissbraucht, und durch die Zensurbehörde nicht zu kontrollieren ist, soll es sein Verbleiben haben."

 

 

 

Kölner Karneval

1831 --- Hanswursts Wiedergeburt

Im folgenden Jahr sind alle Feierlichkeiten wieder zugelassen, und der neue preußische Generalgouverneur der Rheinprovinz nimmt das Kölner Karnevalsfest persönlich in Augenschein. Der Hanswurst ist wiedergeboren, was zu einer riesen Jubelfeier führt. Statt dem vornehmen Helden Carneval steht nun (wieder) der derbe Hanswurst im Mittelpunkt des närrischen Treibens. Von ihm gibt es keine Namen und auch keine Hinweise darauf, ob er von einer Person mehrere Jahre dargestellt wurde.

Die Karnevalszeitung bleibt allerdings auch in der Folgezeit verboten.

 

Hanswurst 1831

Im Namen des Hanswurst dichtet man:

Hoffen und Harren
Macht viele zu Narren:
Wenn Hoffnung nicht wär,
So lebt ich nicht mehr!

Wie sich auch der Neidhard brüstet,
Heimlich in das Fäustchen lacht,
Mit der Hoffnung ausgerüstet
Trotz ich jeder Erdenmacht.

Achtzehnhundert ein und dreissig
Wieder neu die Kappe glänzt,
Siehst du, Köln, mich wieder fleissig,
Reich mit Immergrün bekränzt,

Tönen lustig meine Schellen
Glänzt der Narrensonne Pracht,
Ist geprellt, der mich wollt prellen,
Wohl dem, der am Ende lacht !


1832 --- Die Kölner Messe des Jahres 1832

Der Zug stellt eine Kölner Handelsmesse dar, so wie sie 100 Jahre später - 1932 - sein werde.


1833 --- kein Zug: Meinungsverschiedenheiten

Eigentlich wollte man das zehnjährige Jubiläum des "geordneten" Karnevals gebührend feiern, aber durch Uneinigkeit im Comitee kommt kein einheitlicher Zug zustande. Als man über die Art und Weise der Feier spricht, entsteht eine noch nicht dagewesene Differenz in den Meinungen und Ansichten, die zuletzt in vollständige Entzweiung ausartet. Ein Teil der Gesellschaftsmitglieder beschwert sich darüber, dass die Festleiter zu despotisch verführen. Das verantwortliche Festkomitee will unter allen Umständen jede Provokation der Behörden und jede Anspielung auf Persönlichkeiten vermeiden wollen, aber nicht alle Mitglieder sind mit der Selbstzensur einverstanden. Man habe die Grenzen der Reden zu eng gezogen, die Freiheit in den Darstellungen beim Zuge zu sehr beschränkt und der Gemütlichkeit die Zwangsjacke angelegt.

So ziehen am Rosenmontag kein einheitlicher Maskenzug, sondern stattdessen verschiedene kleine Züge durch die Stadt.


1834 --- Das Orakel des Helden Carneval

Plötzlich tritt der Held Carneval wieder in Erscheinung. Von ihm wird berichtet, er habe sich um die Streitigkeiten im Comité gekümmert und dem Karneval wieder zu Ansehen verholfen.

Narren aus der ganzen Welt kommen zum Helden Carneval, um sich bei ihm Rat zu holen. Der Zug stellt die Reise zum Orakel dar.


In den folgenden Jahren nehmen auch Bauer und Jungfrau wieder am Zug teil.

 

 

Held Carneval als Schlichter -->

Held Carneval 1834

1835 --- Der Kölner Karnevals-Sprudel (Der Kölner Carneval als Heilbrunnen)

Der Karneval wird als Gesundbrunnen dargestellt und der Rosenmontagszug als Reise dorthin.


1836 --- Der Stein der Weisen

Eintrittskarte1836

Der diesjährige Zug versuchte unter dem Motto "Der Stein der Weisen" den Nachweis zu erbringen, dass Weisheit auch Narrheit und Narrheit auch Weisheit sei.


1837 --- Carneval der Jahre Bezwinger

Jubelfeier zum 79. Geburtstag von J.B. Farina, dem Alterspräsidenten der Karnevalsgesellschaft.

Im Dezember dieses Jahres stirbt Emanuel Ciolina Zanoli, der in den Jahren seit 1823 den Helden verkörpert hatte.


1838 --- Hanswurst lässt sich erbauen ein Monument

Die damals herrschende Manie, alle möglichen Monumente zu errichten, deren künstliche Ausführung doch in der Regel zu wünschen übrig ließ, wird in dem Maskenzug von 1838 humoristisch aufs Korn genommen. Es wird dem Helden Carneval ein Monument errichtet. Es handelt sich um ein kolossales Römerglas, in welchem der Held im Zuge herumgeführt wird - eine gelungene Persiflage die sich abzeichnende Beliebtheit von Herrscherdenkmälern in Preußen.


1839 --- Aller-Welt-Aktien-Börse

Börsengetriebe und der Aktenschwindel gaben in diesem Jahre dem Maskenzug das Motto.


1840 --- Das Turnier

Über die Protagonisten des diesjährigen Karnevals ist wenig bekannt, auch über den genauen Inhalt und Ablauf des Maskenzuges weiß man nichts. Das Thema ist "Das Turnier" und bringt ein Ritterturnier nach Köln.

Verbürgt ist jedenfalls, dass in diesem Jahr wieder ein Maskenzug stattfindet, an dem auch Held Carneval teilnimmt, über dessen Identität nichts bekannt ist. Ganz allgemein stehen zu Beginn des "modernen" Karnevals die Figuren, im Mittelpunkt und nicht die dahinter stehenden Darsteller, so dass darüber Aufzeichnungen weitgehend fehlen.

Auch findet wieder ein großer Maskenball im Gürzenich statt. Nebenstehend sieht man die Eintrittskarte, welche eine Karikatur ziert, die dafür spricht, dass man pessimistisch in die karnevalistische Zukunft blickt:

Die Vergangenheit wird gut gefiedert, die Zukunft hingegen als ein gerupftes Huhn dargestellt. Mit einer Schere wird dem Pegasus, dem Symbol für die Dichtkunst, die Flügel beschnitten, ein Zeichen für die damalige Verarmung des Karnevals an guten Darbietungen. Es handelt sich wahrscheinlich um eine ironische Anspielung auf vorangegangene entsprechende Diskussionen in der Öffentlichkeit.

 

 

 

Eintrittskarte Maskenball 1840

1841 --- Der gordische Knoten und seine Lösung


1842 --- Die ächt kölnische olympischen Spiele

Wieder fällt der Zug wegen Uneinigkeit im Comité aus. Es kommt zur Spaltung.


1843 --- Die Köllsche Huhschull (Die kölnische Hochschule)

In diesem Jahr gelang die Versöhnung zwischen den zerstrittenen Parteien.

 

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Das Thema dieser Seite ist die Chronik des Kölner Karnevals


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